Freitag, 23. November 2012

Interview mit SEA + AIR, Ein Gespräch in zwei Akten, 1. Akt

Der Ort der Geschichte ist ein kleines Café im Herzen Nürtingens an einem verregneten Freitagnachmittag im November 2012


Daniel Benjamin, Eleni, AIR (v.l.n.r., nicht im Bild: SEA)

Die Personen

Eleni, Sängerin und Liedermacherin bei der Band SEA + AIR

Daniel Benjamin, ihr Mann und ebenfalls Sänger und Liedermacher bei der Band SEA + AIR

Sven, Redakteur bei Cigarettes in Hell




Daniel und Eleni machen jetzt seit etwas mehr als einem Jahr gemeinsam Musik als SEA + AIR. Doch schon lange vorher haben die beiden zusammen Musik gemacht, bei Daniel Benjamin, den legendären Noisetoys oder den fast noch legendäreren Jumbo Jet. So fließen in SEA + AIR gut über zehn Jahre gemeinsame Musikerfahrung und unermüdliches Touren, mindestens quer durch Europa, ein. Musik zu beschreiben muss scheitern, darum empfehle ich zum ersten Eindruck das Video oben. Aber über die Entstehung von Musik, die Einflüsse und das gemeinsame Lieder schreiben kann man sehr wohl etwas sagen. Darum haben sich die Höllenzigaretten mit den beiden (noch) jungen, aufstrebenden Musikern zusammengesetzt und ein wenig geplaudert. Weil das Ganze ziemlich ausartete, wir hier aber Freunde des Ungeschnittenen sind, gibt es das Gespräch in zwei Teilen. Viel Spaß dabei, Gruß und Kuss.

"für Deutsche ganz gut" reicht uns nicht

CiH: Mal von Anfang an. Wie fühlt Ihr euch gerade? Ich habe mal ein wenig recherchiert zu eurem aktuellen Album "My Heart's Sick Chord" - das letzte Mal als ich euch gesehen habe, war vor rund einem Jahr, in Reutlingen im Franz K, bei der Uraufführung des Albums, da wart Ihr noch gar nicht lange als SEA + AIR unterwegs. 

Eleni: Stimmt, da hat es gerade angefangen.

CiH: Da war das Album noch gar nicht recht draussen.

Daniel: Nein, das war eine Testphase, wo wir die neuen Songs schon geschrieben hatten, dann aber noch von acht Händen oder Füßen mit denen man spielen kann, nur sechs zum Einsatz gebracht haben (lacht) und wo wir noch so ein bisschen am ausprobieren waren. 

CiH: Hat mir schon da gut gefallen euer Zusammenspiel. Ihr macht ja schon länger auch gemeinsam, in anderen Bands wie Noisetoys, Jumbo Jet oder Daniel Benjamin, Musik. Was gab nun den Ausschlag, das in konzentrierter Form zu zweit mit SEA + AIR anzugehen?

Eleni: Ja, wir hatten mit Daniel Benjamin wechselnde Besetzungen, aber der konstante Kern waren schon damals wir beide. Dann kam der Support für Whitney Houston, auch zu zweit als Duo, als wir feststellten, dass wir durchaus in der Lage sind auch in minimaler Besetzung ein größeres Publikum in den Griff zu bekommen.

Daniel: Für mich spielte auch eine Rolle, dass ich jahrelang mit dem "Soloprojekt" Daniel Benjamin unterwegs war und für Zuhörer stellte sich dann immer wieder die Frage: "Warum heißt ihr Daniel Benjamin?" Wir dachten schon lange darüber nach uns umzubenennen, hatten aber nie so richtig den Mut. Und dann haben wir irgendwann gesagt - okay, jetzt brauchen wir einen Neustart und dann war der perfekte Moment eigentlich da.

CiH: Hat sich in diesem Verlauf auch was am Entstehungsprozess der Songs an sich verändert? Also, wurden die schon immer zusammen geschrieben, oder?

Eleni: Ja, dadurch dass wir das als Duo machen, entstehen die Songs auch gemeinsam. Man schreibt zusammen und einer wirft beispielsweise eine Idee in den Raum, der andere arbeitet daran und so entstehen die meisten Songs.

CiH: Wie kann man sich das vorstellen? Ist das eher ein Thomas-Mann-mäßiges morgens drei Stunden am Stück, jetzt arbeiten wir was oder...

Eleni: Nö, das kann ganz spontan sein. Da hat einer eine gute Melodie, z.B. auf Tour im Soundcheck und dann jammen wir ein bisschen und so können Songs auch entstehen. Unter Zeitdruck haben wir auch schon Lieder aufgenommen. Dann setzt man sich wirklich hin und arbeitet was aus oder man hat schon Songstrukturen, auf die man zurückgreifen kann und die man dann zu Ende bringt.

CiH: Okay. Mich würde interessieren, wie sich jetzt die Entwicklung von den recht kleinen Locations noch im letzten Jahr bis heute für Euch anfühlt. Ich habe gestern mal euer Album gegooglet und das findet man mittlerweile bei allen wichtigen illegalen Filebörsen. Man kann quasi sagen, ihr seid schon in gewisser Weise angekommen, auch in einem internationalen Umfeld. Könnt ihr ein bisschen beschreiben, wie sich das anfühlt?

Daniel: Also die Entwicklung fühlt sich gut an, wir hatten als SEA + AIR oder am Ende von Daniel Benjamin schon die Ansicht, dass dieses Label "für Deutsche ganz gut" uns nicht reicht. Wir wollen was einzigartiges machen, das uns als SEA + AIR auszeichnet und nicht nur "die deutsche Version von" ist. Das war so der Hauptgedanke und natürlich haben wir auch gehofft, dass das auch ankommt. Wir haben in dem Prozess auch so ein wenig Revue passieren lassen, welche Momente an uns den Leuten gefallen haben. Bei dem Support für Whitney Houston haben wir am Ende ein Lied zweistimmig ohne Begleitung ausklingen lassen. Die komplette Arena war mucksmäuschenstill, was ja tatsächlich eine Art magischer Moment ist. Damit rechnet man nicht, denn schließlich ist das kein Musikliebhaber-Publikum, sondern ganz normales Mainstream-Publikum.

CiH: Eventpublikum...

Daniel: So ein Publikum zu flashen muss also daran liegen, dass sowohl die Art, wie wir zusammen singen, als auch die Melodien, besonders sind. Beides haben wir dann herausgearbeitet und dem ganzen mit SEA + AIR ein Gerüst gegeben, was es wirklich einzigartig macht. Und das bekommen wir jetzt auch immer wieder im Ausland zu hören. Erst neulich in Holland wieder, kam einer an, hat die CD gekauft und meinte: "This is the first German CD I've ever bought" und dergleichen. Auch in Kanada haben wir das oft gehört, dass die Leute natürlich ein Bild haben von Deutschland und unsere Musik nicht erwarten.

für uns ist die Freiheit wichtig, die andere deutsche Bands wie Can oder Kraftwerk hatten

CiH: Wobei das ja immer so ein bisschen vergessen wird. Es gab ja durchaus in den 60ern und 70ern, das hattest du in einem anderen Interview auch mal erwähnt und das war ein Einfluss bei dir, der mich überrascht hat, Bands wie Kraftwerk und Can, die einiges an Entwicklung angestoßen haben musikalisch und wo es eigentlich egal ist wo das herkommt, wo die Musik an sich zählt.

Daniel: Auf jeden Fall und die Leute im Ausland wissen und schätzen das mehr als wir hier in Deutschland. Viele große einflussreiche Bands heutzutage, wie Radiohead, zählen die deutsche experimentelle Szene der Ende 60er Anfang 70er als mitunter größten Einfluss auf. Und für mich trifft das auch zu, aber es geht natürlich nicht darum, den Stil dieser Bands nachzuahmen, sondern für uns ist die Freiheit wichtig, die diese Bands hatten: alles zu mixen, alles auszuprobieren - dieses Gefühl zu nehmen und was eigenes zu machen, das ist für uns der Einfluss.

CiH: Okay, also wenn es euch kicken würde, wäre das nächste SEA + AIR Album auch ein Hip Hop Album?

Daniel: Prinzipiell ist nichts ausgeschlossen aber ich sag mal so, wenn es ein Hip Hop Album wär, dann eins...

CiH: Mit Cembalo...

Daniel: (lacht) genau...

Eleni: Was es so auch noch nicht gegeben hat (lacht)...

Daniel: Nee, was ich eigentlich sagen wollte: wenn es ein Hip Hop Album wäre, dann wär es für viele Leute das erste Hip Hop Album, das sie mögen.

Eleni: Genau, viele mögen zum Beispiel das Cembalo an sich nicht. Letztens haben wir eine Rezension gelesen, bei der die Autorin meinte, dass sie das Instrument eigentlich regelrecht hasse. Nach dem Hören der Platte konnte sie sich damit anfreunden. Wir haben es teilweise so untypisch eingesetzt, oft auch als Rockinstrument, dass ihre Vorbehalte schnell verflogen waren.

eigentlich ist das Cembalo ein Rockinstrument

CiH: Was würdet ihr sagen, macht das Cembalo insgesamt mit eurem Sound? Wie würde SEA + AIR ohne Cembalo klingen?

Daniel: Es stimmt die Musik ein wenig festlicher. Natürlich in jedem Fall auch spezieller. Es fällt auch nicht übertrieben auf, das liest man oft und das war uns auch wichtig. Eigentlich ist es ein Rockinstrument, es ist funkier als das Klavier, es ist viel konturhafter als eine Gitarre, die ein bisschen schwammiger ist, es hat eigentlich alles, was ein Melodieinstrument für Rockmusik braucht und trotzdem wurde es immer nur so sporadisch eingesetzt, von den Beatles oder von Kate Bush.

CiH: Ich finde, es unterlegt auch die Stücke, die eher gitarrenlastig sind, wie beispielsweise "Yeah, I Know", dass mich so ein wenig an die Noisetoys Sachen erinnert hat, mit einer gewissen Leichtigkeit. Ein wenig theatralisch könnte man auch sagen, es kommt ein tänzelndes Moment in die Musik und gibt auch dem "schwereren Rock" eine neue Leichtigkeit. Ihr verarbeitet auf dem Album ja durchaus auch tragische Themen wie Verlust, Abschied, Liebeskummer - mit dem Cembalo kommt aber immer ein auflockerndes Moment, im positiven Sinne, mit in die Musik, fast schon ein humoristisches Moment. Aber dadurch bekommt wiederum auch der Schatten, der ausgedrückt wird, auch eine tiefere Bedeutung...

Eleni: Das Fünkchen Hoffnung war uns wichtig. Zu vermitteln, dass nach jedem Regen auch die Sonne wiederkommt.

CiH: Ist das bewusst auch so musikalisch umgesetzt?

Daniel: Also bewusst nicht. Die Basis von SEA + AIR sind Extreme. Das hat aber nichts damit zu tun, dass man gesagt hat, jetzt sind wir mal extrem, sondern wir sind so Typen. Wenn ich jetzt hier drei Stunden sitzen würde, würde ich zehn heiße Schokoladen trinken, wenn ich Gitarre spiele, spiele ich bis ich umfalle Gitarre. In so Dingen bin ich extrem, Eleni ist wieder in ganz anderen Dingen genau so ein extremer Typ. Und diese Sachen zusammen zu bringen würde das Ganze verwaschen. Deswegen lassen wir die Dinge gerne in ihrer ihnen eigenen Verschiedenheit für sich stehen, wie du sagst, eine extreme Traurigkeit, die jeder Mensch manchmal hat, die jeder auch kennt - aber auch den extremen Witz, den man auch hat, den Abend, wo man mal nur am Lachen ist. Die beiden Pole sind bei uns vorhanden und zeigen sich dann auch in der Musik.

CiH: Wie baut man dann mit den Songs ein Album auf - also ich habe es mir gestern beim Laufen angehört und es hat da genau so funktioniert wie abends im Bett mit Licht aus. Und es wird schon immer klar, dass es eben keine sinnlose Aneinanderreihung von Singles ist, sondern es ist ein Album und ich denke man hört, dass es das auch sein soll. Gab es da eine Konzeption und was spielte eine Rolle dabei?

Daniel: Für uns ist sehr wichtig, dass irgendwann die jungen Leute von heute, die ja meistens gar nicht mehr wissen, was ein Album ist, sich genau diese Frage stellen. Wir sind ja heute an einem Punkt, den gab es schon mal. Alle sind immer ganz entsetzt über mp3s und so. Das war aber in den 50ern und davor schon so. Da war der Song der Star und der, der ihn gesungen oder geschrieben hat, im Hintergrund.

Eleni: Und es wurde natürlich viel gecovert, was heutzutage auch wieder üblicher wird. Dass man bekannt werden kann, indem man nur Songs von anderen Künstlern covert, die schon bekannt sind. Das ist auch so ein Phänomen, das wieder auftaucht.


irgendwann sagen die Leute wieder, was ist denn das, ein Album

Daniel: Genau, wie die Beatles oder die Rolling Stones Platten, die hatten alle mindestens 50% Covers. Und dann irgendwann kamen Alben wie Sgt. Pepper’s, wo beide Seiten ein Song/ also es waren natürlich sechs, sieben Lieder pro Seite, die aber verbunden waren, wo sich die Leute plötzlich gesagt haben - oh geil, das ist ein Album. Und heutzutage, durch die Länge der CD, ist das wieder verloren gegangen in den 90ern. Die Leute wissen gar nicht mehr, warum eigentlich ein Album, was ist das Tolle an einem Album? Zum Beispiel der Moment, wo der dritte Song nur deswegen so geil ist, weil es der dritte Song ist. Das kennen die Leute nicht mehr aber sie haben auch nicht das Verlangen danach. Das verstehe ich vollkommen und ich glaube aber, dass wir das mit anderen Albumbands wieder erreichen, dass Leute anfangen sich wieder zu überlegen - okay, ich will mehr wieder so 'ne Sicherheit in meinem musikalischen Hörerleben.

Eleni: Ja, vielleicht muss die Schallplatte wieder her, damit es für die Leute einfacher wird. Da hat man ja auch praktisch zwei Alben auf einem gehabt, also zwei Seiten. Man hat die eine Seite gehört und dann die andere. Das ist einfach...

Daniel: Ja, oder die eine und dann wieder die eine.

Eleni: Genau, dann kommt man da auch eher in dieses Gesamtkonzept rein als wenn man ein  70-minütiges "Monster" vor sich hat. Bei der Platte war es übersichtlicher.

Daniel: Genau und ich glaub irgendwann kommt der Punkt, da sagen die Leute - jetzt bin ich mal gespannt, was ist denn das - ein Album? Und dann geht man ganz neu an das Ding ran und dann werden sie entdecken, es gibt ja ein paar Bands - wie zum Beispiel SEA + AIR aber auch einen Haufen andere - die immer schon so gedacht haben - oder sie kommen tatsächlich durch uns darauf, dass es dieses Konzept gibt und dann ist das ein Erfolg für uns.

CiH: Hattet ihr da irgendwelche Dinge im Kopft, beim Aufnehmen des Albums? War da 'ne theoretische A/B Seite im Kopf? Sind die Songs ganz bestimmt zusammengestellt?

Eleni: Wir haben uns auf jeden Fall viel Zeit gelassen beim Zusammenstellen der Songs. Es gab verschiedene Tracklisten, die damals unter unseren Freunden in Umlauf gebracht wurden. Wir haben da bestimmt einen Monat lang rumüberlegt, bis wir die für uns passende Reihenfolge hatten.

Daniel: Eigentlich gibt es zwei perfekte Reihenfolgen, die beide auf dem Album sind - und zwar einmal die vorwärts und einmal die rückwärts. Letztlich haben wir uns für die reguläre entschieden aber es gab auch Leute die gesagt haben, genau umgekehrt wäre besser.

CiH: Richtig schön mit so 'nem acht Minuten Ding anfangen...

Daniel: Genau, gleich mit so 'nem Ding...

Eleni: Wobei eigentlich ist es besser, mit dem Medley aufzuhören...

Daniel: Das war die Idee, wobei es auch Stimmen gab, dass "My Heart`s Sickest Chord" einen gleich gut packt und während man das Album hört, Stile des Openers wiedererkennt. So ist die Aufnahme der verschiedenen Themen eben an den Schluss gesetzt. Wir haben versucht einen Bogen mit lauten und leisen Elementen zu spannen - vorwärts wie rückwärts. Und der allgemeine erste Eindruck eines Albums beruht ja stark auf den ersten zwei, drei Liedern. Hätten wir die Mittelstücke, die rockigeren, wie "Sea after a storm" oder "Yeah I know" an den Anfang gepackt, hätten alle gesagt, das ist voll die Rockband, voll das Rockalbum. So wie wir es jetzt gemacht haben, siedeln uns viele eher so im Folk, Singer-Songwriter Bereich an - und das ist eigentlich schon witzig wie man da manipulieren kann, weil es wären genau dieselben Songs, nur unterschiedliche Reihenfolgen. Das ist ganz interessant, vielleicht mal eigene Reihenfolgen auszuprobieren.

Eleni: Na viele, die Reviews machen, kommen ja auch über drei Songs nicht hinaus. (lacht)

CiH: Ich muss ganz ehrlich sagen, ich finde die ersten drei Songs gut aber mein Höhepunkt ist der Song-Drilling "You Don't Care About Me, Safe from Harm und You & I" - bei denen ihr euch mit den Vocals abwechselt und bei denen mir so ein paar Dinge aufgefallen sind. Es gibt ja gute Alben, sehr gute Alben und so besondere Dinge - habt ihr den Film Almost Famous gesehen? Als sie auf die Bühne laufen und der Sänger der Band dem Interviewer erklärt, was besondere Songs ausmacht - diese verrückten, unperfekten Dinge - wenn ein Ton zu hoch, schief oder wie auch immer gesungen wird, das sticht heraus und macht Dinge besonders. Da sind mir bei euch auch so Dinge aufgefallen, die hängen bleiben. So zum Beispiel bei "The Heart Of The Rainbow" - das ja mit diesem Chor beginnt, der den Refrain singt, oder seid ihr beiden das gedoppelt...

Eleni: Das waren Schlagzeugschüler von uns, die da drauf gesungen haben...

CiH: Und dann dieser Moment, wo sich Daniel so quasi "aus dem Chor heraus singt", nochmal alleine mit dem Refraintext und geht dann in den Vers über - oder bei "Yeah I Know" auch im Refrain, der ja auch mehrstimmig ist, das aber immer du bist, oder, Daniel... 

Daniel: Ja, das bin alles ich...

CiH: Und jede dieser Stimmen mit einer anderen "Qualität" singt - die eine besonders hoch, die andere wirkt eher gelangweilt und da macht ihr so einen Raum auf, da wird beim Hörer ein Bild gemalt, bei mir zumindest - der eine Typ steht so gelangweilt lässig in der Ecke, während der andere eben so hoch geht und das sind eben Sachen, die sind eben nicht so glatt, da passiert was. 

Eleni: Das sind die Extreme, von denen vorher die Rede war. Die bleiben hängen.



CiH: Wie ensteht sowas?

Daniel: Das ist so eine Frage die man mit dem Kopf nicht wirklich erklären kann, weil das kommt einfach so.

Eleni: Das kommt hauptsächlich durch die eigenen Hörgewohnheiten. Wir hören selber auch am liebsten Musik, die in irgendeiner Weise extrem ist. Mir geht es dabei wir dir - bei mir bleiben auch Dinge hängen, die nicht glatt poliert sind, sondern die aus irgendeinem Grund herausstechen. Eine Melodie oder eine Gitarre, die viel zu laut eingestellt wurde aber am Ende ist es genau das: auf diese eine ungewöhnliche Stelle wartet man dann bei einem Song. Und wenn man selber diese Art von Musik hört, passiert es dann unterbewusst, dass man selber auch so Musik schreibt.

Daniel: Ganz genau, da kommt das her. Und es kommt noch auf den "magic chord" an. Jeder Song, den ich schreibe muss sowas haben, sonst wandert er in die Tonne. Wir veröffentlichen keinen Song, der nicht mindestens zwei Sekunden hat von sowas. Man merkt das auch an guten Mainstream-Bands wie U2 oder auch Coldplay, die haben auf jedem Album, deswegen kauf ich mir die auch, vier solche Lieder - ein guter Popsong arbeitet mit Motiven, die man irgendwie kennt, man kann sie nicht einordnen aber man kennt sie irgendwie - und dann werden sie gebrochen von diesem "magic chord" und genau das dreht es dann um und macht es spannend. Die restlichen sechs Lieder haben das meistens nicht und sind dann langweilig. Wir wollten halt einfach, dass jedes Lied das hat.

CiH: Also ist man sich diesen Momenten durchaus bewusst?

Daniel: Irgendwann dann schon...

Eleni: Aber nicht während des Prozesses. Da denkt man über sowas nicht nach - im Nachhinein, ein, zwei Jahre nach den Aufnahmen, wird einem das  klar. 

Daniel: Man merkt ja irgendwann wie man tickt, was einem das Bauchgefühl sagt und wie Eleni sagt, was man selber auch für Musik mag und das kommt dann automatisch also man ist ja nicht, man kann ja jetzt auch nicht hinstehen und sagen - ich bin jetzt voll der Künstlertyp und mach jetzt mal was crazy'es. Weil dann funktioniert das nicht. Man ist wie man ist und entweder man hat so ein Empfinden oder halt nicht.


Ende des 1. Aktes

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