Dienstag, 19. April 2011

Untertagen - In Dieser Stadt-EP

erschien am 12.10.2010 über finetunes / regioactive.de


Also ich war ja von diesem "Dreh den Swag auf" Müll total genervt. Aber es wurde nichtsdestotrotz oder gerade deswegen zum Mörderhype im Web. Da ist es auch ein ziemlich probates Mittel mit nem Cover dieses Songs in das Licht der Öffentlichkeit zu drücken. Nur was dann??? Untertagen, eine Band aus dem beschaulichen Spessart, haben es genau so gemacht. Ihre EP ist trotzdem höhrenswert, denn wer den Support Slot für Turbostaat spielt kann nicht so unkreativ sein.

Der Song "In dieser Stadt" ist eine klassische Deutschrock Nummer im Stile der Fotos oder Madsen. Vor allem die Stimme von Sänger Christian Reis erinnert sehr stark an diese beiden Bands. Die Gitarren stehen hierbei stark im Vordergrund. Zum Titeltrack gibt es  sehr gute gemachte Remixe von Golden aus Berlin und Toenit aus Aschaffenburg, die aber leider nicht auf der EP zu finden sind aber dennoch dem Song aus neuen Winkeln zeigen.

"Was Für Mich War", "Wertlos" sind Track zwei und drei,welche die New Wave Klampfen nicht ganz so penetrant auspacken und somit eher etwas an die späten Muff Potter erinnern. Es gibt schlechtere Referenzen. Mit "Hier Sein" beendet noch eine Quasi-Balade mit schön lange ausgedehnten Refrain (zum Mitsingen auf Konzerten) die EP. Die Jungs sind derzeit auf Tour in so ziemlich jeder deutschen Großstadt. Die Tourdaten findet ihr hier.

Textlich wird in allen Songs eine Art Quarterlive Crisis bearbeitet. Selbstfindung, Selbständigkeit, Selbst(You name it). Leider wurden diese Themen schon besser von Textern bearbeitet. Nichtsdestotrotz ist die EP sehr catchy und wird bestimmt bei einem lauschigen Grillabend, des nun anstehenden Sommers nicht geskippt. Daher drei Zigaretten von fünf. 

Das ganze Machwerk hier in der Soundcloud. Die Remixe gibt es bei den jeweiligen Remixern.

Wertung:


Donnerstag, 14. April 2011

Foo Fighters - Wasting Light

erschienen am 8.4.2011 über RCA
Das sind sie wieder die Foo Fighters. Nach der sehr erfolgreichen Tour, bei der keine große bzw. riesige Stage ausgelassen wurde, wollte Dave Grohl eigentlich wieder zurück zum Ursprung (Back To Basic). Deshalb holte man sich Butch Vig von Garbage als Produzenten mit ins Boot. Dieser führte die Jungs direkt wieder zurück zu Ihren Wurzeln, nämlich in die Garage. Mal sehen ob die verlorgengegangene Roughness hier wieder gefunden wurde.

Schon das Intro zum Opener "Bridge Burning" zeigt in welche Richtung es gehen soll. Die Riffs die sich über eine halbe Minute aufbauen, um dann durch einen Grohlschen Urschrei erlöst zu werden sind einfach nur fantastisch. Der Refrain lässt jeden Stadionrocker die Hände in die Luft reissen. Die Single "Rope" finde ich presönlich etwas uninspiriert und erfüllt die durch den Brettopener geschürten Erwartungen nicht.  Bei "Dear Rosmary" ist der Song (vor allem die Bridge) sehr gefällig jedoch finde ich den Refrain etwas schwachbrüstig.  "White Limo" erinnert zu Beginn etwas an Death oder Speedmetal. Schreie erfüllen den Raum. Massiv schnelle Riffs ummanteln das Stück. Nicht mein Fall und somit auch das schlechteste Stück des Albums. Aber dann kommt der ganz große Stadionrock mit der Hymne "Alandria". Eingänig trotz der gewünschten Roughness und vor allem ein Refrain zum Mitgröhlen."These Days" passt irgendwie gar nicht in das Konzept. Es ist fast schon poppig was man ja von einer so inszinierten Platte nicht erwartet und ist daher eher ein Fremdkörper im Album. Dies gilt auch für "A Matter Of Time". Diese Songs versuchen zwar im Chorus doch noch eine gewisse härte aufzubringen schaffen es aber auf Grund der Strophen nicht wirklich.  Das Ende ist mit "Walk" wieder sehr gut gelungen auch wenn man sich nach einer gesammten Albumlänge die Refrains sich sehr ähneln.

Hattes also geklappt mit dem Konzept Garage? Ich würde sagen ja und nein! Es ist die Bemühung deutlich erkennbar aber Garage ist das nicht! Wenn dann eine Garage mit einem Fassungsvermögen von 60.000 Konzertbesuchern. Und da man in einer Garage ja nicht wirklich viel Rauchen soll, sei sie selbst noch so groß gibts drei von möglichen fünf Zigaretten.

Wertung:

Montag, 11. April 2011

Friska Viljor - The Beginning of the Beginning of the End

erschienen am 25. März 2011 via Cargo


"See, I've been trying to live this Life with no Success cause I will die". Schon mit den ersten Zeilen ihres schnapstrunkenen Debüts hatten mich Friska Viljor sofort auf ihrer Seite. Niemand könnte die Stimmung nach einem ordentlichen Frustbesäufnis besser in Lieder verpacken als die beiden Jungs aus Schweden. Ein Nachfolger ließ auch nicht lange auf sich warten und zelebierte wieder einmal musikalische Verschrobenheit auf höchstem Niveau. Erst mit dem dritten Album im dritten Bandjahr schien die Qualität etwas unter dem Outputwahn zu leiden. "For new Beginnings" war zwar ebenfalls schön anzuhören, wies jedoch deutliche Abnutzungserscheinungen auf. Nun, nachdem die Band sich erstmals 2 Jahre Zeit für eine neue LP genommen hat, war ich natürlich besonders gespannt auf das Ergebnis. "Larinov", der Opener, ist mit seinen gestotterten Lyrics, dem über sich selbst stolpernen Rythmus und den tollen Trompeten-Arrangements genau die erste Single geworden, die man von Friska Viljor erwartet hat. Nicht neu, aber verdammt geil! Nein, sie haben nicht wirklich was an ihrer Formel verändert, sie haben dieses mal einfach nur bessere Songs geschrieben. "Come on" weiß mit hymnischen "Whohohos" zu überzeugen bevor mit "You meant nothing" erstmals melancholischere Töne angeschlagen werden. Schöner kann man einen Abgesang auf die eigene Beziehung nicht inszenieren. Doch man hat gar keine Zeit sich von dieser Melanchonie anstecken zu lassen, denn an der nächsten Ecke wartet schon "My Thing" mit dem die Jungs sich samt Hörerschaft wieder auf die Sonnenseite ziehen.

Auch in der Mitte fängt das Album nicht an zu schwächeln. "What you gonna do now?" erzeugt Aufbruchstimmung bevor "Useless" nochmal ein wenig auf die Bremse tritt und die Platte nochmal ordentlich Schwung holt bevor einen mit "Passionseeker" der vielleicht schönste Refrain der Songkollektion erwartet. Im nachfolgenden "Malou" wird dann der Verfolssenen doch nochmal ein Tränchen nachgeweint - aber nur ein ganz kleines.

Die letzten drei Songs, besonders der etwas ziellos durch die gegend eiernde Abschlusstrack "People and so on" konnten mich leider nicht so überzeugen. Wer die Messlatte mit den ersten 2/3 aber dermaßen hoch legt, kann zum Schluss aber gern mal kurz auf dem Tritt kommen. Was bleibt ist das wohlige Gefühl im Bauch und viel Futter für neue Sommerplaylists. Prost.  

Wertung:

Freitag, 8. April 2011

Rival Schools - Pedals

erschienen am 4. März 2011 via Warner


Walter Schreifels - der Mann, der mit Bands wie den Gorilla Biscuits, Quicksand, Walking Concert und eben Rival Schools maßgeblich den americanischen Indie-Rock der letzten 20 Jahre beeinflusst hat - aber eben auch der Mann, der es noch nie geschafft hat mit einer Band mehr als zwei Alben aufzunehmen. Wenn man jüngsten Interviews Glauben schenken kann, ist Rival Schools nun die erste Konstellation, mit der er sich tatsächlich ein Drittwerk vorstellen kann. Angesichts der zehn Jahre Abstand zwischen dem aktuellen Werk und dem Debüt "United by Fate" sollte diese Aussage jedoch mit der nötigen Skepsis betrachtet werden.

Umso erstaunlicher, dass Herr Schreifels mit dem ersten Song "Wring it out" exakt dort anknüpft, wo er 2001 aufgehört hat. Die Riffs knallen, das Schlagzeug scheppert und eine vertraute Stimme schreit "I wanna wring it out, every Ounze! I wanna do the right Thing, when the right Thing counts". Wen kümmern schon zehn Jahre Musikgeschichte, wenn man einen zeitlosen Sound besitzt? Eben. Druckvoll geht es mit dem treibenden "69 Guns" weiter, bevor im in den Strophen von "Eyes wide open" dann die Riffkeule ausgepackt wird, nur um sie im butterweichen Refrain wieder sorgsam einzupacken.

Mit "Choose your Adventure" werden behutsam ein paar Funk-Rythmen eingebaut, bevor die Tanzstimmung mit dem etwas uninspirierten "Racing the Red Lights" wieder niedergerissen wird. Dieses kleine Tief wird aber mit Hilfe der ersten Single "Shot after Shot" schnell durchschritten. "Small Doses" sorgt dann gegen Ende hin zum ersten mal eine kleine Verschnaufpause und ist für Rival-Schools-Verhältnisse fast schon ne Ballade. Der letzte Song, "The Ghost is out there" verabschiedet sich mit einem tollen Refrain und schönen Lyrics.

Da bleibt mir nur der fromme Wunsch, dass sich der feine Herr Frontmann jetzt mal ein wenig am Riemen reißt und uns ein drittes Album dieser großartigen Band beschert. Obwohl ... zu einem zweiten Album von Walking Concert würd ich natürlich auch nicht nein sagen. ;)


Wertung:

Samstag, 2. April 2011

Glasvegas - EUPHORIC /// HEARTBREAK \\\

erschienen am 1.4.2011 über Smi Col (Sony)
Jetzt ist es da! Ein von mir lange herbeigesehntes Album "EUPHORIC ///HEARTBREAK\\\".Vorletzten Winter wurde man mit dem Nachfolger zum selbstbetitelten Erstling mit einem mehr schlecht als rechtem Weihnachtsalbum vertröstet. Als das Debut 2009 das Licht der Welt erblickte, war es für mich wie eine Offenbarung. So gefühlvoll und mit soviel schottischem Akzentcharm hat noch nie jemanden seine "Social Worker"-in besungen. Die Erwartungshaltung ist groß. Ob das komisch geschriebene neue Machwerk dem gerecht werden wird, ist mehr als fraglich. Schließlich entschieden sich die Jungs von der sehr charismatisch trommelnden Caroline McKay zu trennen. Sie wurde vermutlich auf Grund der Frauenquote durch die schwedische Drummerin Jonna Löfgren ersetzt. Aber jetzt hören wir uns erstmal das neue Machwerk erstmal an.

Beginnen tut das "Spektakel" erstmal mit einem antscheinend wieder in Mode gekommenen Intro. Schon dieser Track "Pain Pain, Never Again" zeigt in welche Richtung das Album unterwegs sein wird. Das Lied is sphärisch hallend und eher wirr. Das war nach dem Albumvorboten "Euphoria Take My Hand" schon fast zu erwarten. Aber leider hat das nichts mehr mit dem mir so liebgewonnenen Debutalbum zu tun. Aber zurück zum Anfang der zweite Track und auch gleich mein Lieblingstrack (wenn man das so sagen mag) des Albums ist "The World Is Yours". Auch hier lässt sich das Konzept der bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Gitarren erkennen. Aber das ist im ersten richtigen Song gut gelungen und vielleicht sogar Indie-Disco-mäßig tanzbar. 

Ich habe lange hin und her überlegt ob ich jeden einzelnen Song besprechen will aber das lasse ich an dieser Stelle bleiben weil es hört sich annähernd alles gleich an. Das Konzept ist für einen Song vielleicht passend aber für ein ganzes Album wirkt das etwas überstrapaziert. Sphärische Klänge und pathetischer Gesang von James Allan reichen einfach nicht für ein komplettes Studioalbum. Die Tracks sind zu dem anstrengend lange geraten es gibt kaum einen Titel der unter vier Minuten daher kommt. Das ganze Album wirkt wie im Drogenrausch komponiert und übertrieben. Das geht oftmals gut, hier fehlen mir aber die wunderbare Pubromantik und Einfachheit des Vorgängers, der so Songs wie "Geraldine" oder "It's My Own Cheating Heart That Makes Me Cry" erst möglich machte.

Es gibt jedoch auch lichte Momente wie z.B. gegen Ende des Albums "Lost Sometimes". Hier wird nicht alles bis zum Erbrechen in die länge gezogen und der Song hat Struktur. Er baut sich langsam zum Refrain hin auf um dann die angestaute Energie los zu lassen. Gelungen!

Alles in allem lässt es sich aber mal wieder festhalten das Nachfolger von übergroßen Debutalben eine extrem heikle Geschichte darstellen. Glasvegas sind wohl daran gescheitert. Die sympathischen Schotten haben einfach den falschen Schwerpunkt gelegt. Ich werde mir in großer Hoffnung auf Besserung trotzdem das dritte Album kaufen. Daher leider nur zwei Zigaretten für "EUPHORIC /// HEARTBREAK \\\".

Wertung:

Freitag, 1. April 2011

ClickClickDecker - Du Ich Wir Beide zu den fliegenden Bauten

erschienen am 1.4.2011 über Audiolith
Mit Livealben ist das immer so ne Sache. Man neigt dazu den Künstlern hier Geldmacherei zu unterstellen. Jetzt hat auch Kevin Hamann alias ClickClickDecker eins veröffentlicht. Nach Kettcar hat auch er sein Livekonzert in den fliegenden Bauten zu Hamburg aufgezeichnet.  Für mich zählt ClickClickDecker zu den besten Liedermachern in Deutschland. Liedermacher live zu hören ist immer was ganz besonderes. Nun gilt es zu beurteilen ob die Atmosphäre solch besonderer Abende auch über die heimischen Boxen rüber kommt.

Eröffnet wird das Konzert durch einen der schönsten Songs von Kevin namens "Wenn Ethna wieder spuckt" und von Anfang an wird klar, dass dieses Konzert um welten liebevoller gestaltet wurde wie der doch etwas uninspirierte Auftritt von Kettcar im selben Venue. Kurz darauf folgt ein Song den ich bislang nicht kannte. Er heisst "PT82 oder das Paarungsverhalten der CT Serie". Ein sehr gelungenes Stück! Leider gefällt mir "Einbahnstraße" in der live Version mit den abgehackten Parts eher weniger.  Aber spätestens bei "Händedruck am Wendepunkt"  ist Kevin wieder in Hochform. Es ist einfach wunderbar wie die Innbrunst in jeder Zeile zu spühren ist. Das Publikum ist nur selten zu hören, nur am Ende der Songs. Es ist andächtiges Schweigen angesagt und das vollkommen zu Recht. Das schöne liegt im Inperfekten, z.B. wenn Kevin die letzen Zeilen von "Weil Sie uns siezen" schreit und seine Stimme hörbar wegbricht. Das Stück "Kümmern Wir Uns Durch Die Jahre" hört sich leider annähernd so wie das nicht-live Original an. Erst gegen Ende kann man erkennen dass es sich um eine Live-Version handelt. 

Darauf folgt "Durch die Bank" eine Hommage an das (jetzt schon) Kultlable Audiolith. Hört, Hört, da fühlt sich ein Künstler auch mal bei einem Lable gut aufgehoben. "Weil ich auch zu den ganzen Idioten hier gut passe." Sehr schön die Musikindustrie lebt! zumindest im Kleinen aber Feinsten. Auf so einem Hamburger Konzert darf ein gesundes Stück Lokalpatriotismus auch nicht fehlen. Der kommt auch auf "107 leider unvermittelbar". Das Stück gefällt leider auch nicht so wirklich. Der Refrain wirkt etwas unspektakulär ausgekotzt. Hier kommt das Brüllen mal nicht so... es ist also auch kein Allheilmittel. "Es fängt an wie es aufgehört hat" ist einfach ein zu wunderbarer Song um live verhunzt zu werden. Gottseidank findet das auch nicht statt. Nicht sonderlich toll aber auch nicht verhunzt. Es folgen noch "Dialog mit einem Tölpel" , "Mit Naumanns Füßen", "Wer hat mir auf die Schuhe gekotzt" , die allesamt eher ruhig gestaltet werden. Sympathisch auch dass die Zugabe noch micht aufgezeichnet wurde, welcher "Sozialer Brennpunkt Ich" ist. Schon allein der Titel dieses Songs ist genial. Das Lied an sich sowieso. Und dann passiert ,als man denkt das Ding ist durch, das auf was ich das ganze Album gewartet habe. Der Song "Der ganze halbe Liter", das meiner Meinung nach wohl eins der schönsten Lieder in deutscher Sprache ever ist. Word!

Über die Texte von ClickClickDecker muss ich hier nichts mehr schreiben. Allerhöchstes Niveau! Wer sie nicht kennt, sei empfohlen alles einzuatmen was Kevin als ClickClickDecker fabriziert hat!

Man kann sagen das "Du Ich Wir Beide zu den fliegenden Bauten" ein gelungenes Live-Album geworden ist. Man hört zu großen Teilen den wunderbaren live Charackter raus. Es ist auf jeden Fall besser als der Kettcar-Versuch auch wenn hier gein ganzes Streichorchester mitmischt. Daher auch vier Zigaretten für das schöne Machwerk. Ich bin gespannt auf das nächste Studioalbum, das demnächst erscheint. ClickClickDecker ist derzeit auch auf Tour. Leider weniger in den südliche Gefilden. Schade... aber das ist glaube ich das Hamburg und der Süden-Ding. Trotzdem wer in der Nähe ist / wohnt unbedingt hingehen.
Wertung: