Freitag, 7. September 2012

Get Well Soon - The Scarlet Beast O'Seven Heads

Endzeit Spaghetti Western


1.Prologue 2.Let Me Check My Mayan Calendar 3.The Last Days Of Rome 4.The Kids Today 5.Roland, I Feel You 6.Disney 7.A Gallows 8.Oh My! Good Heart 9.Just Like Henry Darger 10.Dear Wendy 11.Courage, Tiger! 12. The World's Worst Shrink 13.You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)

Zum Anfang des Jahres, machte es den Anschein als ob die Webseite von Get Well Soon von einer Sekte gekapert wurde. Schnell war aber klar, dass es sich hierbei um einen Versuch handelte via viralen Marketings das kommende Album von Konstantin Gropper und seine Band a.k.a. Get Well Soon zu pushen. Ob Sie damit erfolgreich waren oder nicht ist für mich eher zweitrangig.  Das Ergebnis ist eine unterhaltsame und oldschoolige Homepage mit Blinken und Glitzern und eine etwas uninspirierte Bonus-EP . Nun gilt es zu beurteilen ob das TamTam auch zu einem großartigen Album geführt hat. Denn nichts geringeres wird nach den Vorgänger-Alben von Konstantin auch beim dritten Werk "The Scarlet Beast O'Seven Heads" erwartet.

Für seinen Drittling hat der selbsternannte Cineast sich Inspiration von Spaghetti-Western aus den 60ern geholt. Man hört an allen Ecken und Ende, gerade bei der Single "Roland I Feel You" wie Enrico Morricone das Lied vom Tod spielt. Das Video zu "Roland I Feel You" greift, dieses Thema dann auch konsequenter Weise auf und beeindruckt mit seinem Pomp und trotzdem diletantischen Elementen. Ganz Italo-Western halt.

Aber jetzt erstmal first things first und das heisst bei Get Well Soon als erster Song erstmal Prelude, Intro oder wie beim jetzigen Album "Prologue". Es ist ein sehr reduziertes Stück mit zarter Gitarre, Mundharmonika und klarer Stimme. Ausserdem beinhaltet es auch großartige textliche Elemente wie z.B. "There's no encore in afterlife." .Gerade dieser Wortwitz und textliche Finesse zieht sich weitestgehend durch das gesammte Album, das verrät schon der zweite Song "Let Me Check My Mayan Calendar" der instrumental, pompös mit Glockenspielen etc. inszeniert ist. Genau darin sehe ich auch die fundamentalste Stärke von Get Well Soon - in der Inszenierung und Komposition. Get Well Soon Alben brauchen bis man sie mag. Es sind Grower - sperrig aber immer wieder schön. Es gibt auf Grund der Vielzahl an Stilelementen immer wieder neue Aspeckte zu entdecken.

Nichtsdestotrotz verwehrt genau das wohl den Zugang zu einer größeren Hörerschaft. Gerade bei "The Scarlet Beast O'Seven Heads" wurde weitest gehend auf catchiness und klar abgrenzbare Refrains verzichtet. So ist bei "The Last Days Of Rome" der Refrain ein verhallt, verzerrter Gesangspart. Ich hätte mir schon das ein oder andere Stück wie "Automatic Heart" oder "We Are Ghosts" gewünscht, dass auch mal im Ohr hängenbleibt und dann im Zweifel dafür nicht so sehr auf das Gesamtbild bzw. die Atmosphäre des Albums einzahlt. Das kann und wird auch mit der häufigen Arbeit an Filmmusiken von Konstantin zusammenhängen.



Auch wenn ich kein großer Western-Fan bin (egal ob original oder italo) schafft es Get Well Soon aber doch wieder eine ganz eigene Atmosphäre und Stimmung rund um das Album zu erzeugen. Melancholisch wie immer, sphärisch und vielfältig wie selten. Und wer die vorgänger Alben kennt fragt sich, wie das noch steigern lässt. Aber seit versichert es geht. Man erkämpft sich Song für Song textlich, inhaltlich und dann musikalisch. Wer bereit ist diesen Kampf zu kämpfen - wird am Ende belohnt. Es sei von meiner Seite aus jedem wärmstens ans Herz gelegt einen Versuch zu wagen. Daher erhält "The Scarlet Beast O'Seven Heads" auch 70% meiner Zigarette.

erschien am 6. Juli 2012 via City Slang
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