Samstag, 12. November 2011

Reinhard Mey, Circus Krone München, 6.11.2011


Natürlich ist die Frage äußerst berechtigt, ob dieser hippe Blog hier tatsächlich der richtige Ort für einen Reinhard-Mey-Konzertbericht ist. Ich sage ja, denn wenn man die Sache mal genauer betrachtet ist Deutschlands bekanntester Liedermacher auch nur jemand, der - mit Gitarre bewaffnet - auf der Bühne steht und musikalisch und textlich brilliante Lieder über Liebe, politische und moralische Missstände und alltägliche Dinge trällert. Und was bitteschön ist Conor Oberst?! Eben.

Zum ersten Mal hatte ich also letzten Sonntag das Vergnügen den von mir hochgeschätzten Herrn Mey erstmals live zu erleben - und zwar im auverkauften Circus Krone in München. Die Karten hatte ich schon seit einem Jahr und trotzdem hat's nur für einen Platz gereicht, auf dem man optisch vorwiegend Reinhards Hinterteil zu sehen bekam. Schön auch für jemanden, der stramm auf die Dreißig zugeht, mal einer der Jüngsten zu sein. Klar, der Großteil des Publikums hat schon zu "Über den Wolken" gegroovt als ich noch Quark im Weltall war. Der ein oder andere Mittzwanziger hatte sicher aber trotzdem hierher verirrt.

Unter tosendem Applaus betrat der Liedermacher dann pünktlich um 20 Uhr die Bühne und präsentierte eine teilweise umgetextete Version eines meiner Lieblingslieder "Gib mir Musik", eine Liebeserklärung an die Musik als solche.

"In der ersten Frühmaschine zwischen Frankfurt und Berlin,
Eingekeilt zwischen zwei Businessmen, das Frühstück auf den Knie‘n,
Den Walkman auf den Ohren, die Musik ist klar und laut,
Und ich wag‘ es kaum zu atmen, und ich spür‘ die Gänsehaut,
Wie ein mächt‘ger Strom von Wärme mich mit der Musik durchfließt,
Wie mir plötzlich, unwillkürlich Wasser in die Augen schießt.
Und ich weiß ich hab‘ natürlich kein Taschentuch im Jackett,
Und ich wein‘ einfach drauflos und auf mein Frühstückstablett.
Links und rechts die Nadelstreifen und ich heulend mittendrin.
Ob die Guten wohl sich wohl vorstellen können, wie glücklich ich bin?"

Schön, schön, schön. Man ertappt sich hier nicht zu letzten Mal dabei sich zu Fragen, wie dieser man diesen tollen Sound mit nur einer Gitarre hinbekommt. Man hat das Gefühl, es versteckt sich noch ein ganzes Rudel Zusatzgitarristen hinterm Vorhang. Dem ist aber nicht so. Was folgt ist ein bunter Strauß aus Songs der letzten drei Alben. Nur ab und zu spielt er wie bei "Herbstgewitter über Dächern" Lieder älteren Semesters an. Fand ich persönlich gar nicht schlecht, denn ich bin großer Fan seines Spätwerks.

Herr Mey beeindruckt allerdings nicht nur durch eine tolle Setlistwahl und die musikalisch großartig vorgetragenen Lieder, nein, ein Entertainer ist an ihm ebenfalls verloren gegangen. Immer wieder lockert er das Set durch kleine Anekdötchen auf und es macht ihm sichtlich Spaß das Publikum zu amüsieren. Einen besonderen Höhepunkt stellt der emotionale Vortrag des Liedes "Drachenblut" dar, das er für seinen seit zwei Jahren im Wachkoma liegenden Sohn komponiert hat. Musik ist Therapie, ich sag's ja immer.

Das reguläre Konzert wird mit dem nachdenklichen "Was keiner wagt" beendet, aber Reinhard lässt sich danach natürlich nicht lumpen und legt nochmal vier Zugaben nach - dieses Mal sogar mit Akkordeonbegleitung. Das letzte Lied des Abends, "Gute Nacht Freunde" spielt er dann zu uns "Hinterbühnlern" gerichtet. Tolle Geste. Achja, an diesem Abend wurde auch die bald erscheinende Live-CD aufgezeichnet. Gut so, denn wenn man Abende schon konservieren will, dann nur solche.

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