Sonntag, 26. Februar 2012

Kraftklub - Mit K

Garagensidos!

1. Eure Mädechen 2. Ritalin/Medikinet 3. Ich will nicht nach Berlin 4. Liebe 5. Melancholie 6. Karl-Marx-Stadt 7. Songs für Liam 8. Kein Liebeslied 9. Lieblingsband 10. Mein Leben 11. Scheissindiedisko 12. Zu jung 13. Wieder Winter
 
Das scheint wohl ein neues Trend zu sein. Mit Kraftklub hat es neben dem werten Herrn Casper schon das zweite weitgehend unbeschriebene Blatt aus dem Stand an die Spitze der Charts geschafft. Nun, was ist dran am Hype? Wenn es nach den fünf Jungs selbst geht, erst mal gar nichts, das stellen sie gleich im rotzigen Opener „Eure Mädchen“ klar. Immerhin mal eine Band, die offen zugibt, warum sie Musik macht: Um Mädchen zum Tanzen zu bringen. Vermutlich nicht das schlechteste Motiv!

Auch die kommenden Songs folgen der vorgegebenen Marschrute und rumpeln eingängig vor sich hin. Der Clou an der ganzen Sache sind klugen Texte, die sich hinter der oberflächlichen Prolligkeit verbergen. Auch scheinen diese eher vom Hiphop beeinflusst zu sein, sowohl was ihre Reimstruktur als auch ihre Pointierung betreffen.  Manchmal könnte man fast meinen, dass sich der Berliner Maskenmann ab und an in die Kraftklubgarage verirrt hätte, um ihnen beim Texten unter die Arme zu greifen und das ist hier durchaus als Kompliment gemeint. Es gibt nur wenige Künstler, die gesellschaftliche Missstände so unterhaltsam verpacken können.

Was folgt sind also Hits, Hits, Hits. Mit „Ich will nicht nach Berlin“ gelingt dann auch gleich noch der legitime Nachfolger von „Geh doch nach Berlin“ der Kölner Band Angelika Express, bevor „Songs für Liam“ sich anschickt den Rest des Albums komplett in den Schatten zu stellen. So einen Tanzbodenfüller schreibt man eigentlich nur einmal in seiner Karriere.  „Wieder Winter“ steht ganz in der Tradition hypnotischer Melodien von Bands wie den Editors oder Interpol. Überhaupt gibt es hier fast keinen Songs, die nicht vor klug gewählten textlichen und musikalischen Referenzen strotzen. Hier kennt sich jemand aus, auf der guten Seite, das merkt man schnell.






Fürs Protokoll sei hier trotzdem noch erwähnt, hier nicht alles Gold ist, was glänzt. An langsamen Liedern wie „Liebe“ verheben sich die Krawallbrüder noch ein wenig und manchmal sind die Songs dann doch eine Spur zu naiv (siehe „Scheissindiedisko“) Wäre ja auch ein Jammer, wenn „mit K“ schon der Höhepunkt einer Band wäre, die sicherlich eine große Karriere vor sich hat. Ich werde das gespannt verfolgen. Sido vielleicht auch.

erschienen am 20.01.2012 via Universal 

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