Donnerstag, 20. Oktober 2011

Ryan Adams - Ashes & Fire

erschienen am 10. Oktober 2011 über PAX-AM


Schön dich wieder zu sehen Ryan. Vor dann doch nicht allzu langer Zeit ließ Ryan Adams verlauten, dass er seine Liaison mit den Cardinals aufgelöst hat und erstmal keine Musik mehr veröffentlichen wird. Scherzkeks. Dass diese Musikabstinenz nicht lange anhalten wird, konnte jeder, der sich auch nur im Ansatz mit Adams auseinandergesetzt hatte, schon damals ahnen. Der gute Mann aus Jacksonville, North Carolina hatte bis dato 10 reguläre Alben veröffentlicht und X Songs und Alben aufgenommen die bis heute nie ordentlich veröffentlicht wurden, aber Songmaterial enthalten, mit dem andere Künstler eine Karriere bestreiten könnten (besonders an Herz legen möchte ich "Destroyer" und "48 Hours" - gibts quasi überall im Internet).

Nun ist er also wieder da und die Pause hat ihm offenbar gut getan. Zwar waren die letzten Veröffentlichungen stets gute Alben, können jedoch gegen Adams Meisterwerke wie Heartbreaker, Cold Roses und Jacksonville City Nights nicht im Ansatz bestehen. Zu belanglos und oberflächlich waren die Songs, zu austauschbar und nett – gerade Cardinology ist ein Beispiel für ein nettes Album, von dem jedoch nichts wirklich hängen bleibt. Nun also nach der Pause der Neustart von Adams solo mit Ashes & Fire. Zwar ist mir persönlich auch auch dieses Album teilweise zu nett produziert, hat aber in der Mehrzahl wieder Songs die sich nicht nur durch gutes Handwerk auszeichnen, sondern dieses mehr an Tiefgang haben welches sie bedeutsam macht. Scheinbar musste Adams erst nach Los Angeles gehen um wieder heimzukehren, denn Ashes & Fire klingt vielmehr nach North Carolina als nach New York oder Los Angeles. Die Platte ist ziemlich countrylastig und klingt in ihrer vorwiegend akustischen Instrumentierung klar und ehrlich. Der traurige Cowboy von Heartbreaker und Jacksonville City Nights ist wieder da und er erzählt uns mit einzigartiger Stimme die Geschichten von verlorener Jugend und verlorener Liebe.



Ryan Adams hat seit jeher ausgezeichnet, dass er eben nicht nur Musiker, sondern auch ein brillianter Geschichtenerzähler ist. Egal ob er von einer Farmersfamilie um die Jahrhundertwende erzählt („In my time of need“ auf Heartbreaker) oder von Geistern Ermordeter („Carolina Rain“ auf 29) – es wirkt bei ihm nie aufgesetzt, immer ehrlich und damit berührend. Schon Hemingway wusste dass es nicht mehr braucht um Künstler zu sein als „wahre Sätze“ zu schreiben. Die Menschen müssen dir glauben, um mitfühlen zu können – und Adams ist einer der Künstler, die dies können wie wenig andere. Wenn er damals auf Jacksonville City Nights in “September” sang: „Laura lays on the foot of the bed, mimics a noose with a telephone cord, doctor’s on the phone, then she hangs up and says – I ain’t never gonna see the winter again”, dann ist es genau das - ehrlich und nachvollziehbar und gerade dabei zutiefst poetisch. Dieser Ryan war viel zu lange weg, ist aber nun auf Ashes & Fire zurückgekehrt. Einfach instrumentiert erzählt er einfache Geschichten und ist gerade damit sehr eindrücklich. Schön dich wieder zu sehen Ryan.

Wertung:

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